Nachwort

 

Nachwort

Der Gedankengang, der dieser Schift zugrunde liegt, stammt von katholischen Theologen wie Küng und Oosterhuis: 

Solange es den Zölibat gibt ist die Priesterschaft anziehender für junge Männer, sie sich keinen Rat mit ihrer Sexualität wissen, aber fühlen, dass sie nicht zum Familienvater geschaffen sind, als für solche, die ein deutliches Verlangen nach Frauen erfahren. Solange innerhalb der Kirche verklemmt mit Sexualität umgegangen und kaum darüber gesprochen wird, wird es Priester geben, die nicht wissen, wie sie mit ihren körperlichen Gefühlen und ihrer Not umgehen sollen. Wer schwach und einsam ist, erliegt dann vielleicht seinem Verlangen, wenn er die Gelegenheit dazu hat.

Als der Autor diesen Gedankengang – wohlgemerkt von prominenten Insidern – einmal zur Diskussion stellte, wurde ihm von einem Kirchenmann vorgeworfen, er würde (1) die katholische Kirche hassen, (2) Kindermissbrauch entschuldigen und die Kirche dafür verantwortlich machen und (3) sich durch inakzeptable Argumentation völlig disqualifizieren. Darum entstand diese kleine Schrift. Der Leser möge sich ein eigenes Urteil bilden. Die hier skizzierten Biographien sind öffentlich oder dem Autor persönlich bekannt.

Wer nur monokausal denken kann, mag die Behauptung herauslesen, Männer würden nur darum Priester, weil etwas mit ihnen nicht stimmt, oder gar, weil sie beabsichtigen, Unrecht zu begehen. Die Welt funktioniert aber nicht monokausal. Manche Motive entstehen nur langsam und bleiben lange unbewusst.

Werden hier Verbrechen und Verbrecher entschuldigt? Hier werden Regelkreise beschrieben, die es erleichtern, dass schwache Menschen ins Verbrechen abrutschen. Sie bleiben aber selbst verantwortlich.

Aber was kann es schaden, auch über Regelkreise nachzudenken?

© Jens van Nimwegen, Nijmegen 2014


Siehe auch:

http://www.huffingtonpost.de/david-berger/schwule-priester-katholische-kirche_b_5927836.html

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