Gleichheit und Doppeltheit

 

Tillmann und Timotheus Thier sind seit dem Tode ihrer Eltern die einzigen, die sich zuverlässig unterscheiden können, weil eben der eine er selbst und der andere der andere ist.

Ich lenke mich mit dem Gedanken ab, dass Jim und ich zur Unterscheidung von unseren Chefs gar keine Knöpfe im Ohr bräuchten. Jim ist ja schwarz, und ich bin der Weiße, der nicht doppelt ist.

Ansonsten sind sie so dressiert, dass sie immer beide genau das Gleiche machen. Sie werden sofort bestraft, wenn sie mal nicht genau das Gleiche machen. Am meisten hat mich im Buch der Satz fasziniert: So gut unterscheiden kann man sie also nur, damit man sie unterscheiden kann. Ein vollkommen sinn- und nutzloser Unterschied, der nur dazu da ist, zu unterscheiden, was bis auf den Unterschied gleich ist.

Sie sind gar nicht so langweilig und gewöhnlich, wie sie gestern gesagt haben. Sie sind doppelt!

„Wenn Jim auch nen Iro kriegen soll, würde ich den aber rot färben lassen. Sonst könnte man uns ja nur an der Hautfarbe unterscheiden, und das ist bestimmt diskriminierend.”

Habe ich jetzt gerade den Schlusssatz von Das Bildnis des Dorian Grey aufgeschrieben? Schnell nachschlagen! It was not till they had examined the rings that they recognised who it was. Wie ein Satz auf zwei total verschiedene Situationen passt! Obwohl – wie verschieden sind die Situationen eigentlich? Bei Oscar Wilde gleicht ein Mann genau seinem Bild, und das Bild verändert sich, während der Mann gleich bleibt.