Philosophie

 


Versuchsanordnung für unsere heutige Gesellschaft

Ein Rezensent hat den Text als philosophische Lehrerzählung  bezeichnet. Das trifft zu. Aber es ist kein Lehrbuch, kein wissenschaftlicher Text. Hier werden keine Antworten gegeben. Hier wird erzählt. Der Leser wird unterhalten und, je nach Veranlagung, ab und zu schockiert. Die Erzählung kennt keine Tabus, weil die ich-Figur keine kennt. Dadurch wird der Leser eventuell mit seinen Vorurteilen konfrontiert.

Abgesehen von zahlreichen kleinen Denkanstößen, die den Leser weichklopfen, geht es um zwei Fragen, eine große, schwere, sehr allgemeine, abstrakte und eine scheinbar einfache, spezielle, konkrete. Immer wieder, wenn der Leser über eine der beiden nachdenkt und sich in Sicherheit glauben könnte, wird er roh zurückgeworfen auf die andere und umgekehrt.

  1. Was ist Freiheit?  Da es ein Roman ist, keine philosophische Abhandlung und kein Sachbuch, wird diese Frage nicht explizit gestellt und schon gar nicht beantwortet. Aber der Leser trifft immer wieder auf Situationen augenscheinlicher Freiheit und Unfreiheit, die seine eigene Meinung auf die Probe stellen, seine Sicherheiten verunsichern.
  2. Wie geht unsere Gesellschaft, einschließlich ihrer Homosexuellen, mit Homosexuellen und Homosexualität um? Hierzu haben Kirchen, Organisationen, Interessenvertretungen und Parteien schon unwahrscheinlich viel gesagt. Und alle reden aneinander vorbei. Während es doch wir selbst sind, die eine Position finden müssen.

Der Leser lernt zwei utopische Gesellschaften kennen. In beiden sind die Menschen genau so, denken und handeln sie so wie in unserer Gesellschaft heute. Nur gewisse Gesetze sind unterschiedlich. Es geht nicht darum, vorauszusagen, dass es jemals in Nord- bzw. Süddeutschland so werden wird; es geht um eine Versuchsanordnung für unsere jetzige, hiesige Gesellschaft, um zwei verschiedene Zerrspiegel, in denen man sich selbst sieht, teilweise viel genauer. Um ein Gedankenexperiment, mit dem der Leser seine eigenen Standpunkte prüfen kann.

In der einen Gesellschaft hat man erkannt, dass nicht Homosexualität das Problem ist, sondern die Angst der „Normalen“ vor dem Unbesprechbaren. Man hat eine für uns schwer denkbare, aber eigentlich ganz logische Weise gefunden, damit umzugehen, und die entsprechenden Gesetze gemacht.

In der anderen Gesellschaft hat man die Homosexuellen zu einer eigenen, vom Homo sapiens verschiedenen Art von Primaten erklärt, deren „Exemplare“ man zwecks Volksaufklärung im Zoo vorführt oder als Haustier hält. Paradiesische Zustände?