Religion, Tierschutz und Paradies

 

Peter_AdamAndEveInTheGardenOfEdenIm Homosexuellen-Gehege im Münchener Zoo 2034 lebt inzwischen auch ein hochgebildeter Schüler, der seine Frechheit nicht verlernt hat.

Heute ist ein Weihbischof da mit einer Gruppe älterer Katholiken. Schicklgruber begrüßt ihn als Dr. Hart ess jott. Komische Namen haben die hier. Klingt wie ein kölscher Satz und ist auch noch wahr. Der Schüler weiß aber, dass es Dr. Hart S. J. geschrieben wird, so ne katholische Abkürzung. Er erklärt auch, was ein Weihbischof ist. Ungeeignet, in einer Gemeinde als Seelsorger zu arbeiten und nicht unterwürfig genug, um ein Bistum zu leiten, sagt er. Also so ein Schreibtischtäter, aber eben doch zum Bischof geweiht. Wieso man unterwürfig sein muss, um etwas zu leiten, verstehen wir in Sau-Neupreußen nicht, meint er grinsend. Komisches Volk, diese Bayern.

Der Weihbischof faselt inzwischen seiner Gruppe was vor über Ethik, Tierschutz, Gottes Auftrag, aber auch, wie eine moderne katholische Kirche mit der Zeit mitgeht und froh ist, dass diese Todesstrafe, eine schwere Last die der Herr uns auferlegt hat, durch wissenschaftliche Einsicht keine Sorge mehr bereitet. Das Alte Testament handelt von Menschen, aber wenn ein Täter positiv getestet ist, ist er kein Mensch und fällt nicht unter diese Verbote. Nun gibt es in der Bibel anscheinend ne andere Stelle, in der Geilheit mit Tieren auch mit dem Tode bestraft werden muss. Sogar das Tier muss demnach abgemurkst werden. Das ist aber offenbar durch das Grundgesetz verboten. Da steht klipp und klar drin, dass der Staat sich nicht darum bekümmert, was Menschen und Tiere miteinander machen, abgesehen vom Tierschutz, Besitzrecht und von Abrichtung und artgerechter Bestrafung.

Hier lacht der Schüler dreckig. Schoßhundparagraph haben sie das auf der Schule genannt.

Anscheinend war das im Grundgesetz so formuliert, dass die Bayern nix gemerkt haben. Ein sinnvoller Paragraph, weil ein Verbot auf Sex mit Tieren ja nur Arbeit macht, Probleme bringt und Zeit verschwendet. Aber über Homosexualität hat man sich nicht einigen können, und nun wächst in Bayern die Zahl der Tiere in einem Schlag enorm.

Jedenfalls, erklärt Hart S. J. seinen Zuhörern, wie abscheulich Christenmenschen sexuelle Gemeinschaft mit Tieren auch finden, man bringt weder sich noch das Tier damit in Lebensgefahr. Nur sich selbst in die Hölle. Hier müsse sich der Freistaat an das Reichs-Grundgesetz halten. Selbstverständlich jedoch würde jeder, der bei Gemeinschaft mit einem Homo manimalis ertappt wird, sofort getestet und höchstwahrscheinlich selbst vertiert. Danach könne er dann leben wie im Paradies, wo man sich nicht schäme, wenn man nackt sei. Und Menschen brauchen sich nicht zu ekeln, wenn sich Tiere eben wie im Paradies benehmen, sie sind eben so. Das müsse man seinen Kindern auch gut erklären. Und gerade beim Homo manimalis sei die Nacktheit ja auch wünschenswert, damit man sich selbst und seine Kinder rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Ob Tiere denn auch in die Hölle kommen können, fragt eine ältere Dame. Der Weihbischof faselt was von einem gewissen Franziskus oder Antonius, was kein Mensch begreifen kann.

Der Schüler sagt laut, Jesus hätte auch mit seinen Kumpels rumgemacht. Der wäre dann hier in Bayern schon zu Lebzeiten ins Paradies gekommen. Irgendwie doch ein Fortschritt. Dann hätte man auch nicht überall diese holzgeschnitzten Leichen an den Wänden. Huch und Hach in der Gruppe, und dann treibt der Weihbischof seine Leute raus. Der Schüler behauptet, dass er dazu zu Hause sogar so nen Stock hat, mit dem Hirten ihre Schafe über die Straße scheuchen. Glaub ich nicht.

Ich glaube, die sind auf der Schule froh, dass sie ihn los sind. Der hat ja noch ein frecheres Mundwerk als ich früher. Das kann kein Lehrer im Zaum halten, auch nicht mit der Prügelstrafe. Da muss er mir überhaupt mal näheres von erzählen.

© Jens van Nimwegen, Nijmegen 2014