Wie alles anfing

 

H., im September 

Thomas, 

Du hast Dich also entschieden, mir achtzehn Monate lang zu dienen und als Gegenleistung von mir abgerichtet zu werden. 

Du wirst das laufende Semester noch abschließen und im Sommer hierher kommen. Wenn es mir behagt, darfst Du hier weiter studieren; aber jeder wird sehen und fühlen, dass Du anders bist als die anderen: Ein kleines, geiles Dreckschwein. Vielleicht schicke ich Dich auch zwischendurch arbeiten, damit Du körperlich fit bleibst. Das ist aber meine Sorge, für Dich reicht es, wenn Du am jeweiligen Tag erfährst, was von Dir erwartet wird. 

Damit Du Dich auf Deine Sklavenexistenz vorbereiten kannst, hier die ersten Anweisungen: 

Von heute an lässt Du Deine Haare wachsen. Du wolltest ja als Junge immer lange Haare haben, aber die Mutter hat’s verboten. Nun wird es dir befohlen. Mein geiles Schwein soll hier mit einem gelockten Engelskopf Bewunderung erregen. 

Weiterhin schaffst Du hautenge blue jeans an, wenn Du die nicht schon hast. Hauteng heißt: so eng dass Du den Bund nur mit Anstrengung schließen kannst. Von heute an wirst Du sie so oft wie möglich tragen, damit sie im Sommer so abgetragen sind, wie es einem Sklavenschwein zukommt. 

Bereite Dich darauf vor, dass bei Deiner Ankunft ein Vorhängeschloss in dein rechtes Ohrläppchen kommt. Der Bügel ist drei Millimeter dick. Notfalls stecke ich ihn mit Gewalt durch… 

Ich weiß, dass Dich diese Anweisungen nur noch geiler auf Deinen neuen Zweck machen. Du brauchst diese anderthalb Jahre. 

Ich erwarte, dass Du mit allem bedingungslos einverstanden bist. Sollte das nicht der Fall sein, ruf‘ einfach an! Es wird unser letztes Gespräch – und Deine letzte Chance – sein. 

Dein 

        Jens

 

H., im Oktober 

Thomas, 

du hast nicht angerufen. Ich hatte es auch nicht anders erwartet. Von jetzt an wirst du nie mehr anrufen oder schreiben: Ich entscheide, ob du was zu wollen hast. 

Dein Zimmer wirst du zum Frühjahr kündigen. Deine Bücher wirst du eine Woche vor deiner Ankunft hier herschicken. Ich werde dir rechtzeitig mitteilen, welche Kleidungsstücke du mitbringen darfst. 

Alles andere wirst du verkaufen oder verschenken! 

Besitz lenkt einen Sklaven doch nur ab. Und du hast es auch in deinem Leben noch nicht fertiggebracht, unersetzliche Dinge um dich zu haben. Weg mit dem Plunder. Du wirst hier in einer Hinsicht frei sein: du wirst nichts haben als die Kleider auf dem Leib. 

Dies ist der letzte Brief, in dem ich deinen Namen verwende. Nicht dein Name wird in Zukunft relevant sein, sondern dein Zweck! 

Und ich werde mich künftig nicht mehr soweit erniedrigen, dass ich die Briefe an jemanden wie dich unterschreibe.

 

H., im Februar 

Schwein, 

ich habe lange überlegt, ob du einen eigenen Platz hier im Hause nötig hast; du wirst nachts doch in meinem Bett schlafen oder, wenn du das nicht verdienst, davor auf dem Fußboden. Aber du musst ja deine paar Lumpen irgendwo lassen, und vielleicht erlaube ich dir auch hin und wieder Besuch. Darum habe ich einen Kellerraum mit Matratzen ausgelegt. Der Keller ist heizbar; du sollst ja gesund bleiben. In die Wand habe ich Ringe eingelassen für Ketten: damit dein Besuch sieht, was du bist, und damit ich dich da anketten kann, wenn ich weg muss oder wenn meine Gäste durch deinen Anblick nicht beleidigt werden sollen, oder ganz einfach wenn du Strafe verdienst – du kannst jetzt schon geil drauf werden!

 

H., im März 

Schwein, 

du wirst also nächste Woche hier ankommen und anderthalb Jahre bleiben; deine Habseligkeiten sind schon im Keller. Damit du gut lesen kannst, habe ich sechs Neonröhren aufgehängt. Dann ist die ganze Gemütlichkeit auch schön sichtbar. Ausschalten lassen sie sich nicht. 

Die geldlichen Angelegenheiten sind geregelt. Wenn du ausnahmsweise einmal selbst Geld haben musst, um mich in der Kneipe zu bedienen oder für neue Ketten, werde ich es dir geben; du wirst aber in all der Zeit nie etwas Wertvolleres in die Hände kriegen als Münzen. 

Nun zum Wichtigsten, deiner Kleidung: du darfst mitbringen: 

Jeans, davon mindestens ein Paar hauteng und abgetragen. 

T-Shirts ohne Aufdruck. Die mit Ärmeln dürfen nicht länger sein als bis zum Nabel. Die ärmellosen dürfen länger sein, müssen aber unter den Achseln offen sein bis eine Handbreit über dem Gürtel. Jeder soll deinen geilen Körper genießen dürfen. Die Kleidung soll deine Nacktheit hervorheben! 

Für feinere Gelegenheiten: weiße Hemden mit langem Arm, aber natürlich ohne Knöpfe. 

Die enge lange schwarze Lederhose. 

Stiefel, aber natürlich keine Halbschuhe; du wirst nur noch barfuß laufen oder in Stiefeln. 

Für den Winter deine schwarze Lederjacke. 

Gürtel, Ohrring, Kettchen. 

Beachte diese Liste genau! Fehler werden bestraft. 

Die Reisekleidung, in Anbetracht des wechselhaften Wetters: Jeans, Stiefel, Gürtel, Schmuck, offene Lederjacke. Den Rest bringst du mit in zwei Bündeln, mit den restlichen Gürteln zusammengeschnürt. Jeder darf sehen, was du hast. Am Samstag kommst du um 11 Uhr 13 am Hauptbahnhof an. Ich erwarte, dass du zu Fuß zu mir kommst. 

Nach deiner Ankunft gehe ich ein paar Stunden lang weg; du kannst dich in der Zeit an dein Kellerloch gewöhnen…